mir

mir

wie ich
mir
meinen abgrund offenlege:
sinneslust
im auch-ich

liebe mich
bitte – dennoch –
genieße lust
düfte von ihm
ohne mich
begrüßt und erwünscht
völlig ergeben
der lust zur lust

liebe mich
bitte
meine Liebe ist
anders

tiefer
weiter
umfassender

und dennoch
Lebensliebe

Diskussion: Meine Lust in meinem Leben ist speziell – ich bitte um Akzeptanz

Lust am Leben, Lust an der Lust, Lust in Liebe – profan? Lust ist Kreativität des Lebens und sehr oft Gegenstand größter Missverständnisse oder sogar Zerwürfnisse. Der Text anerkennt, dass es Menschen gibt, die „völlig ergeben (sind) der lust zur lust“. Hier in dem Text wird also Lust nicht unter dem Blickwinkel betrachtet, dass Lust das Bedürfnis oder der Wunsch ist, etwas zu tun, hier geht es um die Lust in der Liebe.

Lust in der Liebe war schon immer eine höchst umstrittene Freiheit. Ethische Leithammel in der Gesellschaft würden gern Lust nach ihren Grundprinzipien eingeschränkt wissen, weil das Freiheitsgefühl der Lust als Verlangen nach sexueller Befriedigung nicht mehr steuerbar ist. Die Steuerung von Mitmenschen ist jedoch die Grundlage der gesellschaftlichen Hierarchie. Es besteht die Befürchtung der ethische Leithammel in der Gesellschaft, dass der Verlust über die Kontrolle der Lust zu einem VerLust der gesellschaftlichen Hierarchie führt. Die Institution Kirche, allgemein gesagt, Religionen, stehen der Lust überaus kritisch gegenüber (hier Stellen aus der Bibel):

Lust vernichten durch Ironie: „12. Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun ich alt bin, soll ich noch Wollust pflegen, und mein Herr auch alt ist!“. Heute wird medial oft von einem „lüsternen Greis“ gesprochen (witzig: der Begriff „lüsternes Weib“ gibt es nicht). Die heutige gesellschaftliche Praxis ist dadurch geprägt, dass – ganz vergröbert gesagt – man zwei Gruppen an Mitmenschen hat: einerseits jene, die gern „aufklärend“ (ein anderes Wort für bestimmend) sein wollen, und jene, die ihre Lust bis ins hohe Alter leben (wollen). „meine Liebe ist anders tiefer weiter umfassender und dennoch Lebensliebe“ ist der Ausdruck dafür, dass ein tiefes Verlangen vorliegt, Lust als ein Element eines glücklichmachenden Lebens; dieser Ausdruck geht jedoch noch einen Schritt weiter: meine Liebe ist anders tiefer. Es wird hier von einer individuellen Variante von Lust gesprochen und es wird gebeten, diese Variante als Teil einer geliebten Beziehung zu tragen. Die Institution Kirche hatte schon immer sehr drastische Ansprüche an das Leben: „Wie soll ich dir doch dein Herz beschneiden, spricht der Herr, weil du solche Werke tust einer großen Erzhure, damit daß du deine Bergkirchen bauetest vornean auf allen Straßen und deine Altäre machtest auf allen Gassen? Dazu warest du nicht wie eine andere Hure, die man muß mit Geld kaufen, noch wie die Ehebrecherin, die anstatt ihres Mannes andere zuläßt. Denn allen andern Huren gibt man Geld; du aber gibst allen deinen Buhlern Geld zu und schenkest ihnen, daß sie zu dir kommen allenthalben und mit dir Hurerei treiben.“ Es warnt der ethische Leithammel in der Gesellschaft, dass der Verlust über die Kontrolle der Lust zu einem VerLust der gesellschaftlichen Hierarchie führt. Wir müssen jedoch auch deutlich sagen, dass gesellschaftliches Verhalten von Generation zu Generation einerseits normativ vererbt, andererseits im Rahmen der Vererbung immer leicht verschiebt.

Lust vernichten durch Angsterzeugung: „34. Daher dieselbige Stätte heißt Lustgräber, darum dass man daselbst begrub das lüsterne Volk.“ Es wird vor dem lüsternen Volk gewarnt, es wird die Vision „Grab“ als Abschreckung zu Hilfe genommen, um Lust in den Griff zu bekommen. Offen werden Greueltaten gegenüber jenen, die der Lust pflegen, gefordert: „Und sollen Haufen Leute über dich bringen, die dich steinigen und mit ihren Schwertern zerhauen“. Lust = Teufel, Teufel = Nichtkirche.

Lust vernichten durch Folgsamkeit: „22. Auch so erzürnetet ihr den Herrn zu Thabeera und zu Massa und bei den Lustgräbern.“ Die Bibel spricht über die „Lust deiner Seele“. „Wenn du in einen Streit zeuchst wider deine Feinde, und der Herr, dein Gott, gibt dir sie in deine Hände, dass du ihre Gefangenen wegführest, und siehest unter den Gefangenen ein schön Weib und hast Lust zu ihr, dass du sie zum Weibe nehmest, so führe sie in dein Haus und laß ihr das Haar abscheren und ihre Nägel beschneiden und die Kleider ablegen, darinnen sie gefangen ist, und laß sie sitzen in deinem Hause und beweinen einen Mond lang ihren Vater und ihre Mutter; danach schlaf bei ihr und nimm sie zur Ehe und laß sie dein Weib sein.“ Nach der Bibel gibt es eine klare Dominanz in der Beziehung zwischen Mann und Frau, mit „Gefangenen“ hat diese Sichtweise nichts zu tun. Lust dient zur Zeugung von Kindern, Kinder dienen zum Weitertransport der christlichen Glaubenslehre. Mit der heutigen Wirklichkeit hat dieser Auszug aus der Bibel nichts gemein.

Der obige Text „liebe mich bitte, meine Liebe ist anders …“ ist der Ausdruck dafür, dass ein tiefes und gefühlt unübliches Verlangen vorliegt und für Akzeptanz dieses unübliches Verlangens darum gebeten wird zumindest zu akzeptieren, woraus auch immer dieses unübliche Verlangen besteht. (Es gibt inzwischen unendliche Lustvarianten) aber für alle innerhalb einer zwischenmenschlichen Beziehung ist gemeinsam, dass nur dann eine glückliche und zufriedenstellende Zukunft der Persönlichkeiten ermöglicht wird, wenn man sich in dieser jeweiligen Lustvariante zunächst geistig annähert. Diese geistige Annäherung ist ein höchst schwieriges Unterfangen, weil seit der Kindheit durch die Eltern und deren Umgebung das normative Rollenverhalten trainiert wird. Dieses Rollenverhalten ist Bestandteil unseres gesamten Wertegerüstes; Änderungen an diesem Wertegerüst ziehen nach sich, dass fast alles auf Homogenität bewusst oder unbewusst überprüft wird. Daran scheitern etliche Beziehungen, wenngleich es heißt, dass das Durchbrechen des erlernten normativen Rollenverhaltens zwar oft sehr schwierig ist und eine unendlich erscheinende Kraft kostet, dass jedoch ein neues Rollenverhalten letztlich das Wohl der Beziehung fördert.

Ein Verfahren könnte helfen, im Falle von Diskongruenz Klarheiten zu schaffen:

Stellen wir uns einmal vor …

Stellen wir uns einmal vor: Was wäre, wenn das neue Rollenverhalten (die neue Lusterfüllung) in der Beziehung gelebt würde?

Stellen wir uns einmal vor: Was wäre, wenn das neue Rollenverhalten (die neue Lusterfüllung) in der Beziehung verweigert würde (hier Emanzipationsargumente anzuführen, das wären Totschlagargumente)?

 

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