ich, virtuell 1

ich, virtuell 1

als ich dich sah
mit deinen buchstaben
auf flimmerndem bildschirm
und du
wuchsest
zur scheinbaren realitaet
und ich
entwickelte
gefuehlte emotionalitaet
und wir
flogen davon
einig zunaechst
liebevoll
fast zaertlich

spaeter, in der Analyse wurde gesagt

irgendwann sitzt du nur noch vorm PC
und träumst dein leben

Diskussion: wird uns eigentlich noch bewusst, dass wir zu einem Großteil nur noch virtuell leben?

Ein scheinbarer Widerspruch „gefuehlte emotionalitaet“ – ist Emotionalität nicht immer gefühlt? Erweitert gefragt: welchen Wert hat Emotionalität, die aus der virtuellen Welt, der Welt der Vorstellung, des Irrealen, stammt? Gut, man könnte auch kritisch anmerken, jede Emotionalität ist virtuell. Also müssen wir uns erst einmal darüber verständigen, was Virtualität ist. Wikipedia sagt dazu am 26.6.2017 (Link): „Virtualität ist die Eigenschaft einer Sache, nicht in der Form zu existieren, in der sie zu existieren scheint, aber in ihrem Wesen oder ihrer Wirkung einer in dieser Form existierenden Sache zu gleichen.“ Dieser Definition stimme ich nicht zu und wünschte folgende Erklärung: „Virtualität ist die Eigenschaft einer Sache, nicht in der Form zu existieren, in der sie zu existieren vermutet wird, jedoch in der Realität nicht existiert“. In dem Sinne muss also Emotionalität nicht aus dem Realen stammen, so dass es eine virtuelle Emotionalität (Einbildung) und eine reale Emotionalität gibt. Wenn hier also von der „gefuehlten emotionalitaet“ gesprochen wird, ist es die eingebildete Emotionalität.

In dieser eingebildeten Emotionalität leben wir immer öfters: hier am Computer erleben wir die eingebildete Emotionalität, im Kino erleben wir die eingebildete Emotionalität, im Fernsehen erleben wir die eingebildete Emotionalität, die oft mit der realen Welt wenig zu tun hat. Worum wir uns jedoch bemühen sollten ist, dass wir den Blick, den Geist, für die reale Welt nicht verlieren.

„irgendwann sitzt du nur noch vorm PC und träumst dein leben“

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