Wider den Geist

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Schlagende Sprache Geschlagener

Diskussion: Wenn in einer Beziehung, welche rechtliche Form auch immer, Dinge bis auf den Höhepunkt der Auseinandersetzung gebracht wurden, geht es oft nur noch darum, mit Worten zu verletzen.

„Sprachliche Verletzungen kommen überall da vor, wo Gefühle oder unklare Machtverhältnisse im Spiel sind“, sagte Krämer, Philosophin mit Schwerpunkt Sprache und Medien an der Freien Universität (FU) Berlin in einem dpa-Gespräch. Sie seien ein alltägliches Problem vieler Beziehungenheißt es bei n-tv (Link).

Jeder von uns hat diese Situation schon einmal erlebt: es ging um ein Sachthema, es wurde gestritten, es wurde unendlich hart über Positionen und Meinungen gerungen, zunächst ruhig-sachlich, doch bei fehlender Annäherung immer verbissener. „Warum will er/sie das nicht verstehen?“ Und in dieser Situation geht es nicht mehr um das Rechthaben, um Wahrheit, es geht um die persönliche Akzeptanz, es geht um Macht und Überleben. Und als vorletztes Mittel des höchsten zwischenmenschlichen Kontaktes, die soziale Anerkennung, wird bei den Menschen, die der Sprache mächtig sind, die Sprache als Waffe zur Verteidigung eingesetzt. Man vereidigt den Verlust des Selbst. In uns ruft es in dem Falle immer wieder

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Es wurde jegliches innere Korrektiv ausgeschaltet. Das ICH ist in höchster Gefahr. Aus einer Sachdiskussion wurde ein Kampf um das höchste, das wir haben, unsere Persönlichkeit. Die Diskussionsebene hat den verletzenden Kampf begonnen:

  • Idiot
  • so was Blödes habe ich noch nie gehabt
  • du bist schlimmer als …
  • deine Wortwahl ist das Allerletzte
  • unterste Schublade

Wer nun sagt, das kommt in meiner Beziehung / Ehe nicht vor, der betrügt sich und andere, der verhindert, dass in der Beziehung / Ehe sich etwas zum Besseren entwickeln könnte, der sorgt indirekt dafür, dass sich Verletzungen im Kopf festsetzen und in ähnlichen Situationen in die Erinnerung kommen, um dann um so tiefer getroffen zu werden: „Schon wieder behauptest du, dass …“. Genau diese Frage hat den Kern, dass oft in einem Konflikt um die Wertschätzung gerungen wird:

Wir haben das Bedürfnis nach Anerkennung, nicht nur in Grund- oder Sicherheitsbedürfnissen, sondern insbesondere in den Beziehungen in den ICH- Bedürfnissen. Wir ringen ständig um Anerkennung und Wertschätzung als Persönlichkeit – gerade in einer Partnerschaft. Und genau aus diesem Grunde sind partnerschaftliche Konflikte höchst problematisch.

Wie ist denn der Ausweg aus einer solchen Situation?

Schlagende Sprache Geschlagener, das führt zur erneuten Eskalation. Der Tipp der Sprachexpertin Sybille Krämer, jeder müsse die Wirkung von Sprache erkennen und verletzende Worte vermeiden, ist recht unsinnig, weil in den Eskalationsstufen die rationale Selbstkontrolle ausgeschaltet ist. Sybille Krämer verkennt den hohen Wert des Überlebenskampfes der Persönlichkeit: in der Situation ist jedes Mittel (zum Überleben) recht.

In meiner Ehe haben meine Frau und ich bereits sehr früh in der Beziehung die Verabredung gehabt: bei BEGINNENDEN Konflikten ist in der Wohnung eine Ecke definiert worden, die dazu da ist, Konflikte frühzeitig zu LÖSEN. Und es wurde gleichzeitig eine zweite Verabredung beschlossen: jeder hat das Recht, zu jedem Zeitpunkt ein Treffen in dieser Ecke zu fordern; diese Forderung durfte von dem Anderen nicht ausgeschlagen werden. Die ersten zehn, fünfzehn Jahre sind so die Anfangskonflikte der Beziehung gelöst worden. Es hat sich gezeigt, je frühzeitiger eine Persönlichkeit eine heraufziehende Gefahr für die Persönlichkeit mitbekam, je einfacher wurden Konfliktlösungen, weil

  1. der Zeitpunkt der Verletzungen noch nicht erreicht wurde und
  2. der Geist die Sozialkompetenz der Gespräche steuerte.

Jeder Ausweg hat seine Speziallösung – in unserer Gesellschaftsordnung

Leider muss auch das genannt werden: „Unangreifbares Argumentieren in Wort und Schrift“, ein Lehrgang 1982 durch einen Pater der Benediktiner trainiert. Und dieser Pater teilte den mit fast offenem Mund lauschenden Führungskräften mit, wechseln Sie die Diskussionsebene, wenn Sie nicht weiterkommen. Das ist zwar unfair, aber das Ziel sei ja zu gewinnen.

An der Stelle kann man nur feststellen und sagen: eine Beziehung, in der auf psychologischen Tricks die Auseinandersetzung stattfindet, die ist es nicht mehr wert zu leben. Ziehen Sie die Reißleine!

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