Kadavergehorsam

Kadavergehorsam

Sittsam
furchtsam
gleichsam

dem Wir (Parenthese)

ich erhebe – nur leicht – Anspruch
– muß Margarine fressen –

entgegen

kränkelnd
zaudernd

warum erhebt sich gehorsam
zum moralisch-indiskutablen prinzip?

Diskussion: Zwei unterschiedliche Persönlichkeiten treffen aufeinander und es besteht die Gefahr, dass die Ansprüche und Anforderungen gegenüber dem Partner um die Bedeutungshoheit ringen.

Meinungsverschiedenheiten treten in allen Beziehungen auf; wer sich darüber wundert, der lebt in einer seltsam toten Beziehung. Wenn es bei Meinungsverschiedenheiten jedoch um Grundpositionen des Seins geht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich diese zu einem Machtkampf entwickeln. Man/frau verteidigt, was Jahrzehnte lang Grundprinzip des Lebens war. Oft wird zunächst versucht, mit rationalen Argumenten zu überzeugen. Gelingt das nicht, wird bewusst oder unbewusst die nächste Stufe gezündet: emotional erscheinende Argumente, an deren Ende oft ein „Liebst du mich nicht mehr?“ steht. Diese Frage soll den Anderen in die Ecke treiben; wenn jetzt jedoch ein „Natürlich liebe ich dich aber …“ folgt, dann ist auch die emotionale Diskussionsebene beendet.

Dann beginnt der wirkliche Zoff: Verärgerung. Aus Freund wird Gegner, aus Gegner wird Feind, manchmal blitzartig. Schnell werden bewertende Maßstäbe angesetzt: abscheulich, boshaft, bösartig, böse, elend, frech, gehässig, hinterhältig, nichtswürdig, niedrig, schändlich, scheinheilig, scheußlich, schlecht, gemein. Genau betrachtet geht es in der Phase darum, der Persönlichkeit des Gegenüber zu schaden; und genau hier sind wir wieder bei der Maslow’schen Bedürfnispyramide:

Es geht darum, die Bedürfnisebene „Soziale Bedürfnisse“ und „ICH Bedürfnisse“ und dann sogar „Selbstverwirklichungsbedürfnisse“ anzugreifen, also alle immateriellen Bedürfnisse stehen zum Ziel bereit. Ob man/frau will oder nicht, es wird verletzt.

warum erhebt sich gehorsam zum moralisch-indiskutablen prinzip

um des Sieges willen! Was indiskutabel ist wird angesprochen, darum wird gekämpft. Und mit zunehmender Zeit entsteht Frustration, wenn auch diese Angriffe nicht zum Erfolg führen. Wie schnell ist man bei dem Satz: „genau an dieser Stelle passen wir nicht zusammen“. Wenn die Streitenden nicht erkennen, dass in diesem Satz eine große Hoffnung versteckt ist: ‚wir passen doch zu gefühlten 95%‘, der bereitet indirekt eine viel dramatischere Entwicklung vor:

Wut, Hass.

Eine weitere Eskalationsstufe ist unaufhaltsam: Betroffenheit, Verletzung ruft nach Verletzung.

ich erhebe (doch nur) nur leicht Anspruch – muß Margarine fressen –

der letzte Schrei nach Ausgleich: ‚ich komme dir doch weitestgehend entgegen‘. Aufgebracht, außer sich, böse, erbittert, erbost, erzürnt, fuchtig, ärgerlich, grimmig, indigniert, rabiat, schockiert, ungehalten, unwillig, unwirsch – ohne Kontrolle des Selbst schlägt es zu! Der Wurf eines Aschenbechers, selbst der Wurf eines Kissens ist Ausdruck für die Verzweiflung in der Wut, bei der auch schlimmste körperliche Übergriffe möglich werden – ganz im Gegensatz zu den Jahrzehnte langen und tief verwurzelten Grundprinzipien des eigenen Lebens.

Aber gibt es denn keine Möglichkeit, aus der Eskalationsspirale auszubrechen?

Zunächst ist zu sagen: frühzeitig hätten an etlichen Situationen die Alarmglocken läuten müssen: Ist ein Konflikt die Beziehung wert? Eine rationale Blockade. Liebe ich ihn / sie so wenig, dass ich mich ihm / ihr gegenüber so verhalte? Eine emotionale Blockade.

Meine Erfahrung sagt mir, ich komme in Konfliktsituationen mit folgender Frage am besten zurecht: Was ist das Positive dieser Auseinandersetzung? Was kann ich daraus lernen? Diese Fragen begonnen verschwinden meist Eskalationsstufen.

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