Einführung in Zyklus 2 – Begegnungen des Ich

2. Begegnungen des Ich

Wer, was ist das ich?
Abgekapselt, mit Schutzlack versehen, mauernbewehrt?
Leben, was ist Leben oder besser: was ist leben?

Meine Suche nach meiner inneren Harmonie beinhaltet die Auseinandersetzung mit mir in meiner Umgebung, in meiner Welt.
In der kritischen Reflexion können wir unsere Differenz zwischen Selbstbild und Fremdbild feststellen, wenn wir den Mut aufbringen. In der kreativen Reflexion mit uns können wir an Begegnungen lernen und Konflikte als Chancen zur höheren Erkenntnis begreifen.
Das Zusammenspiel der Menschen in unserer Umgebung wahrzunehmen und Menschen im Umgang mit uns und umgekehrt bedeutet eine permanente Begegnung, eine permanente Auseinandersetzung mit unserm ich. Die Wahrnehmungen zu verstehen und widerspruchsfrei einzuordnen in unser Weltbild oder auch bewusst abzulehnen heißt, die Einladung zum eigenen leben anzunehmen, zu gestalten, so wie wir es wollen.

Diskussion: Während es im Zyklus 1 hauptsächlich darum ging, was in mir abläuft, was in jedem von uns manchmal autonom abläuft, geht es hier um die Anstöße von Außen, die oft genug als Diskongruenzen wahrgenommen werden.

Was fällt uns auf, was nehmen wir bewusst wahr? Grundsätzlich: wir nehmen alles wahr, bewusst oder unbewusst, als extrinsische Wahrnehmung, wenn zum Beispiel (in Abwandlung der Definition von Wikipedia) durch die Wahrnehmung eine wertmäßige Belohnung (monetär oder die Persönlichkeit gezielt bestätigend) erfolgt, die in einem erwarteten äußeren Nutzen des Handelns liegen, von intrinsischen Wahrnehmungen, wenn zum Beispiel (in Abwandlung der Definition von Wikipedia) durch die Wahrnehmungen bewusste oder unbewusste Freude entsteht, die in positiven Erlebnissen während des Handelns bestehen [abgeleitet aus Anreiz]. Und was wir aufnehmen, das ordnen wir in unsere Erfahrungswelt, unser unvorstellbar großes inneres Mobile ein:

Dieses ist die vereinfachte Darstellung für das, was in uns abläuft: ein jeder Begriff hat unendlich erscheinende Verknüpfungen auf unserem Mobile mit vier (?) Werteebenen:

  1. wir denken, handeln aus unserer Gefühlswelt (Dimension)
  2. wir denken, handeln aus unserer Sachwelt (Dimension)
  3. wir denken, handeln aus unserer Willenswelt (Dimension)
  4. wir denken, handeln aus unserer Ethikwelt (Dimension).

Zwei Beispiel aus dem obigen Mobile:

  1. Auto – schöne Landschaft: wir fühlen uns in einem schönen (geilen) Auto wohl, wir fühlen uns in einer schönen Landschaft wohl (Gefühlswelt …) – und dennoch ist das Auto (ist die Technik) dabei, diese schöne Landschaft zu zerstören; was in diesem Mobile als ausgeglichen erscheint, waagerechter Balken, an dem Auto – schöne Landschaft hängen, kann einseitig erschwert wirken; das heißt, wir räumen dem Auto oder der schönen Landschaft ein höheres Gewicht (eine höhere Bedeutung) ein. Wenn uns nun von außen Argumente kommen, die dieses (mühsame) Gleichgewicht zerstören, dann gerät dieses Mobile in Bewegung (das Mobile ist grundsätzlich ein labiles Gebilde, wenn wir das Außen aufmerksam und kritisch betrachten). Dass ein Begriff wie Auto auch ganz andere Assoziationen haben kann, kann sich jeder vorstellen; das macht dieses Mobile in uns nur noch viel komplexer.
  2. Ein attraktives Weib – eine Familie mit Kind: wir fühlen uns mit/in einem schönen (geilen) Weib wohl, das vielleicht unsere soziale Stellung sogar verbessert, also „multifunktional“ ist, wir fühlen uns in einer harmonischen Familie wohl, in der wir Liebe und Freude und seelische Erfüllung erleben. Und uns ist bewusst, dass beides gleichzeitig zu haben unter Umständen sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist. Und wer an den Liebhaber / die Liebhaberin denkt, der sieht vor seinem geistigen Auge auf diesem Mobile Streit. Aber gleichzeitig wissen wir, dass eine Familie mit Kind und andererseits ein wunderschönes Anwesen mit einem traumhaften (teuren) Haus sich ausschließen. Um an der Stelle bei der inneren Ausgeglichenheit zu bleiben: es kann sein, dass in manchen Lebensmomenten das „Gewicht“ Familie viel schwerwiegender ist als das „Gewicht“ traumhaftes (teures) Haus; dann jeweils gerät unser inneres Mobile ins Ungleichgewicht, es wird instabil, bis wir wieder eine temporär stabile Positionierung gefunden haben.

„In der kreativen Reflexion mit uns können wir an Begegnungen lernen und Konflikte als Chancen zur höheren Erkenntnis begreifen“ setzt jedoch voraus, dass wir der Vielschichtigkeit (Multidimensionalität) des Mobiles bewusst sind und bereit, stabilisierende Korrekturen (Wertzuweisungen) vorzunehmen. Genau darum geht es im Zyklus 2. Fast hätte ich den Titel geändert: Begegnungen des Ich im ICH.

P.S.: das Finden einer temporär stabilen Positionierung ist Ausdruck dessen, dass in manchen Foren Ratsuchende um Hilfe bitten, weil sie meinen, diese Positionierung nicht erreichen zu können, weil sie den Eindruck haben, zu wenige Argumente für das Eine oder Andere zu haben

oder

(das kommt auch sehr häufig vor, wenn man die Forenbeiträge liest) ein Ratsuchender will eigentlich nur eine Bestätigung dessen, was schon lange als Entscheidungs- oder Positionierungsprozess erledigt war.

 

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