Kritik der Kritik

Kritik der Kritik

Kritisch beäugt
elterngleich
die Augen aquarienhaft vergrößert
fehlerheischend
Scheiterungsbestätigung gewiß

gewachsen

lebend mit Kritik
Selbstkritik als Prinzip
ungläubig vor mir
leistungsgewogen
Scheiterungsbestätigung gewiß

erlebend

Stillstand erwartend
gegenkritikbereit
lebensunfähig
wertnegierend
Scheiterungsbestätigung gewiß

endend

einsichtig?

Diskussion: Die kreative und helfende Kritik unterscheidet sich deutlich von der persönlichkeitszerstörenden elternähnlichen Kritik, die bis zur Lebensunfähigkeit führt.

Scheiterungsbestätigung – welch ein urdeutsches Beamtenwort! Man sieht gleichsam die merkwürdige billige Anzugjacke mit den Ellenbogen- Stoßflicken vor sich stehen. Man sieht gleichsam den erhobenen pädagogischen Zeigefinger, achtungheischend und leicht voller Erregung zitternd und die Individualität unterdrückend vor sich stehen. Man hört monologisierend „gib zu, dass du unrecht hattest“, und mit dieser Diktion wird das Ohrläppchen warnend lang gezogen. Es gibt keinen Ausweg, weil eines gewiss ist: die Scheiterungsbestätigung ist gewiss „gib zu, dass du unrecht hattest“. Und wenn diese Scheiterungsbestätigung dann im Gehirn sich nur noch festsetzt „unrecht“, dann wird aus der Kritik Zerstörung,

von wem auch immer.

Jede neue Erfahrung, in welcher Situation auch immer,

  • Kindheit
  • Beziehung
  • Beruf

beinhaltet diesen Erfahrungsprozess, „gewachsen“, der uns lebenslang begleitet. Unser Tun wird „fehlerheischend“ (aus Sicht des Kritikanden) beäugt und es ist sicher, dass wir Fehler machen. Ich hatte in meinem Beruf einen Vorgesetzten, der aus Angst, einen Fehler zu begehen, der beste Sachbearbeiter aller Funktionen seines Bereiches war. Wie entsetzlich! Doktor Allwissend nannte ich ihn, nur für mich, dieses vernehmbar gesagt wäre der berufliche Selbstmord. Diesem Doktor Allwissend ist nur nie klar geworden, dass sein „Scheiterungsbestätigung gewiss“ mit der Zeit einen lächerlichen Anstrich erhielt: der Kleinwuchs wurde in diesem Verhalten anderen Menschen gegenüber kompensiert. Eine Situation ist in meinem Kopf unauslöschlich: jeder kennt die zum Sieg hoch gehaltene Faust. Und dieser Doktor Allwissend schoss auf mich zu und fragte: „wollen Sie mir drohen?“

Das sind also genau die Typen, die schleimerisches Unterwürfigkeitsverhalten verlangen – viel zu spät hatte ich mich gefragt: wie kommt es, dass genau solche destruktiven Typen in diesem Unternehmen, einen Fehler darfst du machen – ein zweiter ist dein Tod,  gefördert werden. Wir erleben also dann den Tod, wie immer man diesen Zustand auch benennt.

Ein anderer Typus, den ich auch in meinem Beruf kennengelernt hatte, den ich für mich Professor Vernichtung genannt habe, meinte einmal zu einer von mir entwickelten Vorgehensweise, „zeigen Sie mir auf, dass dieses Vorgehen wirksam ist“. Wie soll man ohne eine Realisierung ein Ergebnis quantifizieren, das war seine Forderung? Auch das ist „Scheiterungsbestätigung gewiss“!

Der amerikanische Motivationstrainer Dr. Hendrie Weisinger, Autor, macht es sich zu einfach: „Mit negativen Wertungen positiv umgehen“. Er kehrt kreative Kritik um: nicht der zerstörerisch Kritisierende hat das Problem, der blöde Kritisierte hat das Problem, das darin besteht, nicht devot genug die zerstörerische Kritik angenommen zu haben. Auch das ist „Scheiterungsbestätigung gewiss“! Ich wette, eine solche Type wird aus dem „Scheiterungsbestätigung“ sogar noch einen psychischen Defekt konstruieren, wobei psychische Defekte verhindern erfolgreich zu werden!

Wenn wir nun das erkannt haben, dann wird folgendes logisch eintreten: wir erwarten Stillstand, wir werden bereit auf Gegenkritik, wir werden lebensunfähig und wir beginnen, Lebenswerte zu negieren. Und das System erhält, was kommen sollte: schleimerisches Unterwürfigkeitsverhalten.

Haben wir jedoch das Prinzip erkannt, dann kann man durch Geschick gefälschtes schleimerisches Unterwürfigkeitsverhalten zeigen, Sieg des Kritikanden vorgaukeln und hinter seinem altersgebeugten Rücken die Fäden ziehen. Dann wirst du unter Umständen das kleine Schweinchen, das du niemals werden wolltest und erinnerst dich an eine Weiterbildung durch einen Jesuitenpater: „Unangreifbares Argumentieren in Wort und Schrift“; dieser Jesuitenpater hatte eine wirklich beachtenswerte intellektuelle Leistung aufgezeigt: Argumentationsketten, bestehend aus Argument (A) und Contra- Argument (CA), hier in der einfachen Form, dass für jedes Argument (A) nur ein Contra- Argument (CA) angeführt wird

A1

___CA1

_____A2

_______CA2

__________A3

_____________CA3

finde auf jedes Argument und Contra- Argument ein Gegenargument.

„Unangreifbares Argumentieren in Wort und Schrift“ wird somit in der ersten Phase zum Schachspiel. Andeutungsweise nur die zweite Phase: kommt man mit dieser Verkettung der Argumente nicht weiter, dann muss man die Argumente- Ebene verlassen, also, weg vom Rationalen zum Irrationalen, zum Beispiel zu Werten. Sagte doch einmal einer der professoralen Vorgesetzten „Sie verkaufen sogar Ihre Mutter, um Erfolg zu haben“. Verstehen Sie, das ist von diesem promovierten Mann Perfidie sondersgleichen. Dann hilft eigentlich nur eines, der Gedanke:  „Was kümmert es die stolze Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr reibt?“

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