historie

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meine 53 jahre liegen in den schubläden meines verstehens
meiner erfahrungen
sortiert
wichtigkeiten zentriert
des überlebens halber:
stelle mich nicht infrage
sagte ich früher

würde ich 53 jahre neu sortieren müssen
widersprüche
widerspruchlos begründen
eingefallene gerüste erbaut
des überlebens halber:
stelle mich nicht infrage
sage ich heute

respektiere das ICH meiner 53 jahre
meine logik
geordnet
labilitäten n-dimensional ausgeglichen
des überlebens halber:
ich gehe
sage ich morgen

Diskussion: Das ist wirkliches Selbstbewusstsein, die Zuversicht, mentale Prozesse zur Zufriedenheit lösen zu können.

Ich schrieb (Link): „Meine Suche nach meiner inneren Harmonie beinhaltet die Auseinandersetzung mit mir in meiner Umgebung, in meiner Welt. Die Wahrnehmungen zu verstehen und widerspruchsfrei einzuordnen in unser Weltbild oder auch bewusst abzulehnen heißt, die Einladung zum eigenen leben anzunehmen …“ In dem Bild sehen wir ausschnittsweise von den vielen zehntausenden Schubläden in uns nur ein paar. Und in jeder Schublade befinden sich die Begriffe, mit denen wir im Leben jemals umgegangen sind und ihre Bedeutungszusammenhänge und ihre Gewichtungen für unsere (einmalige) Persönlichkeit. Was wir hier von der Vorderseite so geordnet sehen, hat auch eine Rückseite: hunderttausende Verkabelungen der einzelnen Schubläden untereinander.

Das Haus meines leider an Lungenkrebs verstorbenen Freundes in Australien

Wenn ich über die n- Dimensionalität in unserem Gehirn nachdenke, so fällt zunächst einmal die räumliche Vorstellung (Breite, Höhe, Tiefe) ein. In meinem Studium im Fachgebiet Strömungslehre gab es die n-Dimensionalität, nicht nur die 3 Dimensionalität, räumliches Koordinatensystem genannt, wie in dem Bild. In meiner damaligen Naivität hatte ich versucht, mir diese n-Dimensionalität vorzustellen und sah dann hatte ich folgende dumme Vorstellung:

Wenn man an das Koordinatensystem (siehe auch das Bild des Hauses) am „Ende“ einer jeden Achse des Koordinatensystems ein weiteres Koordinatensystem, eine weitere Räumlichkeit „hängt“, im einfachsten Falle siehe A, im erweiterten Falle siehe C, dann erhalten wir ein n-dimensionales System, das dadurch gekennzeichnet ist, dass jede weitere Dimension außer der normalen räumlichen Vorstellung eine weitere Dimension im irrationalen Raum (Euler nannte diesen Raum „i“) ist (ich weiß, das ist schwierig nachzuvollziehen).

Wenn wir also über Begrifflichkeiten in unserem Gehirn nachdenken und denen einen Werteraum

 

  • Gefühlswelt (Dimension)
  • Sachwelt (Dimension)
  • Willenswelt (Dimension)
  • Ethikwelt (Dimension)

mit denen einem jeden Begriff charakteristischen „Gewicht“ (Bedeutung) zuordnen und wissen, dass jeder Begriff eine sehr große Anzahl von Verknüpfungen zu anderen Begriffen hat und jeder dieser anderen Begriffe auch einen ureigenen Werteraum

  • Gefühlswelt (Dimension)
  • Sachwelt (Dimension)
  • Willenswelt (Dimension)
  • Ethikwelt (Dimension)

hat, dann könnte wir eine erste Vorstellung über das haben, was in unserem Gehirn abläuft: das Finden einer höchst komplexen Stabilität (relative Widerspruchsfreiheit) der Summe aller Verknüpfungen.

respektiere das ICH meiner 53 jahre

Zum Zeitpunkt, als ich die obigen Zeilen der „Lyrik“ schrieb, hatte ich 53 Jahre an dieser höchst komplexen Stabilität (relative Widerspruchsfreiheit) der Summe aller Verknüpfungen „gebastelt“.

stelle mich nicht infrage
sagte ich früher

würde ich 53 jahre neu sortieren müssen
widersprüche
widerspruchlos begründen
eingefallene gerüste erbaut
des überlebens halber

Und das ist die eigentliche Kunst des bewussten Lebens: sich in seiner Gedankenwelt auf den Ebenen des sachlichen Denkens, des Fühlens, des Entscheidens und der Werte nicht infrage zu stellen, „des Überlebens halber“, auch wenn manchmal Verknüpfungen völlig erstellt und neu bewertet werden müssen (wir sagen uns dann: das habe ich nicht berücksichtigt).

Ich weiß, dieses System konsequent durchdacht bedeutet, dem medizinischen Wahnsinn eine Stufe näher gekommen zu sein und daher habe ich den öfters zitierten Spruch ganz leicht abgewandelt:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich momentan nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Dieses „momentan“ meint, die Verknüpfungen und Bewertungen (Gewichtungen) muss ich nicht innerhalb von wenigen Stunden oder Tagen machen, ich kann sie warten lassen und dieses Warten soll mich nicht beunruhigen oder Zweifel an mir auslösen – ich werde es irgendwann schaffen, es sei denn, das ist meine Lebenserfahrungen aus einem Projekt über „Künstliche Intelligenz“, wir kommen an eine Baustelle, die zu bestehen ein Wissen erfordert, das außerhalb unserer Wissensmöglichkeiten liegt. Und auch hier gilt dieser Lebensspruch: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen …“.

Die wichtigste Lebensregel nach 53 Jahren: ich habe Geduld mit mir!

 

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