Relativität

Relativität

jahrzehnte haben sich eingebrannt
in meinem gerüst

filigran
manches mit fäden verbunden
gefährlich zart
mikadohafte labilität

weiß, das leben erzeugte dieses ICH
weiß, alles mystisch komplex
zu komplex
für mich und euch
laß es, jahrzehnte bewehrt

warum verlangst du
den untersten stab
Mir
zu nehmen?

willst
du
mein Leben?

Diskussion: Alles ist relativ! Ein primitiver Satz, der alles infrage stellt? Was gestern noch lebenswichtig erschien, wird heute ein normales Lebensereignis.

jahrzehnte haben sich eingebrannt
in meinem gerüst

filigran

Jahrzehnte haben wir unsere Erfahrungen erarbeitet, haben ihnen UNSERE bestimmte

mein inneres Mobile

Bedeutung zugeordnet, haben sie verallgemeinert, haben sie wieder neu ein- und zugeordnet und dann (temporär) den Prozess des Lernens abgeschlossen, um ihn bei der nächsten Erfordernis wieder und wieder zu überprüfen.

Ja, dieser Prozess ist aufwendig. Ja, dieser Prozess ist, so lange mein Geist wach bleibt, niemals abgeschlossen; ich habe aber den Eindruck, dass mit dem Alter gewisse Strukturen sich verfestigen, sich deshalb verfestigen, weil sie diese Prüfschleife schon unzählige Male durchlaufen und bestätigt gefunden haben, als wäre in unserem Gehirn ein Zähler, der wie folgt regelt: hat sich etwas (willkürliche Zahl) 200 Mal bestätigt, dann gilt das als (relativ) unumstößlich. So kommt es, dass insbesondere jüngere Menschen über die Älteren sagen: die sind geistig verknöchert. Warum schreibe ich „(relativ) unumstößlich“? Wenn ein Ereignis, das normalerweise zur Überprüfung triggert, bei einem gefestigten Bild/Sachverhalt so gewichtig ist, dass es das bereits verankerte Bild/den verankerten Sachverhalt an Bedeutungsschwere übertrifft, dann und nur dann findet ausnahmsweise eine nochmalige Überprüfung statt.

filigran
manches mit fäden verbunden
gefährlich zart
mikadohafte labilität

Was hier als „Fäden“ genannt wird, um den Bezug zum Mobile herzustellen, sind in Wirklichkeit die neuronale Verbindungen:

Quelle: Wikipedia

Und dass ein solches Gebilde eine „mikadoartige“ Labilität aufweist, sowohl konstruktiv als auch inhaltlich, das dürfte beim Anblick des winzigen Ausschnittes aus dem real in uns existierenden Mobiles klar sein.

weiß, das leben erzeugte dieses ICH
weiß, alles mystisch komplex
zu komplex
für mich und euch
laß es, jahrzehnte bewehrt

Und dieses ICH- Mobile wuchs in Jahrzehnten welch ein Bezug zu

historie (Link)

und

Einführung in Zyklus 2 – Begegnungen des Ich

und weil diese Komplexität so unvorstellbar multidimensional ist, nenne ich sie übertragend „mystisch“ und bitte Dritte, mir diese Jahrzehnte bewehrte (gefestigte) Struktur wertschätzend und achtungsvoll zu erhalten.

Laß mich II (Link)

Manipuliere mich nicht, schrieb ich hier.

warum verlangst du
den untersten stab
Mir
zu nehmen?

Anders gesagt: warum verlangst du den untersten stab, das kleinste Element meines Mobiles, Mir (groß geschrieben, um die Achtung oder auch Selbstachtung auszudrücken) zu nehmen?

An der Stelle kommen wir zu dem wirklich hochkomplexen (unerklärbaren?) Vorgang der Partnerschaftsfindung: wir brauchen die gegenseitige Achtung des Mobiles unseres Gegenüber – zwischenmenschlicher Respekt genannt. Aber dieser zwischenmenschliche Respekt stammt aus der Werteraum Ethik, so zum Beispiel

Gibt es in uns vier Beurteilungsebenen (Werteräume) Denken, Fühlen, Handeln, Ethik, dann erfüllen diese uns zu 100 Prozent (22%+30%+20%+28%=100%). Jeder Mensch hat, verwendenden wir nun beliebig genaue Zahlen, seine individuelle Gewichtung der einzelnen Werteräume; hier ist der Werteraum „Gefühle“, (Fühlen) leicht vor dem Werteraum „Ethik“. Und – um auf das Thema Partnerschaft zurückzukommen – wenn der Satz auch für Partnerschaften gilt „Gleich und Gleich gesellt sich gern“, dann sollten die Werteraum- Prioritäten in Etwa gleich sein. Sind sie unterschiedlich, beginnt das Unverständnis, beginnen Kämpfe (auch absehbare Niederlagen sind Kämpfe).

warum verlangst du
den untersten stab
Mir
zu nehmen?

bekommt nun eine vielleicht deutlichere Gewichtung; der Partner will zumindest diese jahrzehntelange Gewichtung oder sogar diese Werteraum- Prioritäten umkehren – das genau funktioniert nicht ohne teilweise Zerstörung und Neuaufbau der Persönlichkeit; daher auch die abschließende Erkenntnis

willst
du
mein Leben?

P.S. (das könnte zu tief gehen): Professor Gigerenzer, seit 1997 Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung könnte mit seiner Forderung nach mehr Mut zu Bauchentscheidungen nur teilweise recht haben (fordern kann man, ob eine Forderung realistisch ist, das ist die andere Frage):

Diese Persönlichkeit ist überaus empfänglich für Entscheiden; das ist ein Macher, deutlich weniger empfänglich für Gefühle. Von einer solchen Persönlichkeit Bauchentscheidungen zu fordern ist überaus hart; Scheitern ist wahrscheinlicher als das Gelingen.

Daraus lässt sich als Arbeitsthese ableiten: Eine Persönlichkeit mit einem hohen Anteil an Gefühls- Werteraum ist in der Lage Bauentscheidungen zu fällen. Im ähnlicher Weise lässt es sich auch für andere Werteräume ableiten.

P.S. 2 (nach einer Nacht des Nachdenkens): eine wichtige Frage ist, wie kommen wir als Persönlichkeit zu einer Priorisierung der vier (?) Werteebenen

  • wir denken, handeln aus unserer Gefühlswelt (Dimension)
  • wir denken, handeln aus unserer Sachwelt (Dimension)
  • wir denken, handeln aus unserer Willenswelt (Dimension)
  • wir denken, handeln aus unserer Ethikwelt (Dimension)

dargestellt in den obigen Tortendiagrammen, die unser ICH charakterisieren und uns zu Einzigartigen und Differenzierbaren ausmachen? Das ist eine Arbeitsthese, die bewiesen werden muss, um gültig zu sein:

Ein normalerweise unbeeinflussbares Grundelement des Lebens heißt: Tu alles um zu überleben!

Lebensstrategisch müsste mit der Erziehung das Lernen zum (Über)Leben eine jede Erfahrung so gespeichert werden, dass „registriert“ wird, auf welcher Werteebene wir Erfahrung nach Erfahrung erfolgreich waren

  • handeln aus unserer Gefühlswelt
  • handeln aus unserer Sachwelt
  • handeln aus unserer Willenswelt
  • handeln aus unserer Ethikwelt.

Dieses Handeln aus der jeweiligen Werteebene (wahrscheinlich ist der Begriff Werteraum besser geeignet) wird von unserem Gehirn wahrgenommen, gespeichert und in irgendeiner Weise gezählt; durch dieses „Zählen“ ist das Ergebnis des Erziehungsprozesses, dass sich Priorisierungen ergeben, Beispiel:

wenn ich aus der Gefühlswelt handelnd erfolgreich war, dann priorisiere ich für die Zukunft das Handeln aus unserer Gefühlswelt

oder im Extremfalle

wenn ich situativ aus der Gefühls-, Sach-, Willens- oder Ethikwelt handelnd erfolgreich war, dann priorisiere ich für die Zukunft das situative Handeln aus allen Werteebenen.

Indem solche, ich nenne sie, Fundamentalsätze, die eine Lebensstrategie zum Überleben darstellen, gefunden wurden, hat unsere oberste Schaltzentrale im Gehirn eine generelle Handlungsanweisung im Leben verankert:

  • wir handeln prioritär aus unserer Gefühlswelt
  • wir handeln prioritär aus unserer Sachwelt
  • wir handeln prioritär aus unserer Willenswelt
  • wir handeln prioritär aus unserer Ethikwelt.

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