Ich bin zwei

Ich bin zwei

Bin ich ICH, bin ICH ich,
was meinst du, wen du magst?
Nur den einen?
Was machst du mit auch mir?
Unterdrücken? Negieren? Umerziehen?

Ich bin ICH und auch ICH,
was meinst du, magst du zwei?
nur den einen?
Dann entscheide dich:
zwei oder keinen!

Diskussion: Partnerschaft, Ehe, Beziehung (beruflich oder privat), wir gehen nicht mit der Person um, deren Figur wir sehen! Wir würden wahrscheinlich erstaunt sein, wüssten wir, welche Vielschichtigkeit, sympathisch oder nicht, uns gegenüber steht.

Ich bitte den Verfasser, Ralf Hahner, des folgenden Textes (Link) um Nachsicht des langen Zitates: „In der heutigen Konsumgesellschaft sind Spaß und ständige Unterhaltung, eine übertrieben positive Lebenseinstellung und energetische Jugendlichkeit das Maß aller Dinge. Für Momente, die von schwermütigen Gedanken und tiefer Traurigkeit dominiert sind, scheint kein Platz zu sein. Diese unter dem Begriff der Melancholie zusammengefassten Emotionen werden daher von vielen Menschen vorschnell mit seelischen Verstimmungen und Depressionen in Verbindung gebracht.“

Wer kennt heute noch „Kleider machen Leute“ von Gottfried Keller, etwa 1847 geschrieben? Es ging dort um einen Schneider, der sich verarmt auf Wanderschaft machte, jedoch in der Lage war, sich bestens zu kleiden. (Unbewusst) täuschte er seine Umgebung, man hielt ihn für einen Grafen und er begann eine standesgemäße Liebschaft. Das ist als Analogie zu „In der heutigen Konsumgesellschaft sind Spaß und ständige Unterhaltung, eine übertrieben positive Lebenseinstellung und energetische Jugendlichkeit das Maß aller Dinge“ zu verstehen. Aus der Sicht von Psychologen stammt folgendes Zitat: „Dabei soll erneut die Komplexität allein des Persönlichkeitsbegriffes und die Fülle der Daten (und damit Persönlichkeits-Charakteristika) mit dem Hinweis verdeutlicht werden, dass es früher über 1.000 Begriffe zum Thema Persönlichkeit und Persönlichkeitszüge gab. Das hat sich inzwischen zwar geändert, beginnt sich aber wieder heimlich auszuweiten. Nichts ist offenbar so vielschichtig wie Persönlichkeit, Charakter, Temperament, Intellekt und die zugrunde liegenden körperlichen und neuro-endokrinen Aspekte des Zentralen Nervensystems.“ Diesen Fakt jedoch dem Fachbegriff Psychopathie zuzuordnen ist mehr als fraglich.

Ralf Hahner hat den heutigen Normalzustand sehr gut beschrieben. Die Gesellschaft erwartet von uns ein bestimmtes Rollenverhalten, wer dieses nicht erfüllen kann, ist out of the race. Dass aber jeder Mensch seine ureigene Färbung hat

hier zum Beispiel der Entscheidungsdominante, der wenig mit Gefühlsaufnahmen zu tun hat, und wissend, dass jede der ureigenen Färbungen unterschiedliche Denk- und Verhaltensweisen mit sich bringen, ist, tief genug geschaut, die Vielschichtigkeit ein Normalzustand, der aus dem Erfahrungskomplex des Lebens kommt.

Ich bin ICH und auch ICH,
was meinst du, magst du zwei?
nur den einen?
Dann entscheide dich:
zwei oder keinen!

Und genau das macht Nähe aus: Respekt, Anstand, Höflichkeit, Selbstlosigkeit, Toleranz. Die andere Frage lautet: können oder wollen wir lebenslang in einem Kompromiss leben?

Vergleichen Sie bitte auch:

Du bist mein … deshalb

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